Die alte Formel, Preis geteilt durch die Zahl der Knöpfe, um die Qualität eines Funkgeräts zu beurteilen, macht heute noch weniger Sinn als vor zwanzig, vierzig oder gar vor siebzig Jahren. Aber wenn eine XYL, YL oder OM, nach eingehenden Diskussionen mit der Finanzabteilung, auf die Suche eines neuen Funkgeräts geht, ist in vielen Fällen diese Formel, aus dem folgenden Grund, vielleicht doch nicht so schlecht und noch zu gebrauchen.
Wir leben in einer sogenannten Informationsgesellschaft aber echte Fachinformation über die heute angebotenen Funkgeräte ist öfters nicht nur schwer, sondern fast unmöglich zu finden. In dem Textteil eines mehrfarbigen Hochglanz Prospekts für ein all mode, all band Gerät kommen die Ausdrücke dB, µV, MDS oder IMD nicht einmal vor. In dem Prospekt eines anderen Anbieters liest man das, daß Großsignal Verhalten der neuen Ausführung wesentlich verbessert worden ist ohne zu sagen wie gut oder schlecht das der Vorgänger Modelle war. Viele Firmen sind unwahrscheinlich stolz auf die Anzahl der Speicherplätze und eine ist super stolz, das seine ZF-AGC in über ein Dutzend Stufen einstellbar ist aber fachliche Daten über, z.B. das Empfänger Großsignal Verhalten ist nirgendwo zu finden.
Es ist kaum vorstellbar, warum Funkgeräte für mehre tausend Euro angeboten werden, ohne das dem möglichen Käufer die Informationen gegeben werden, die er braucht, um eine fachgerechte Entscheidung zu treffen. Nicht einmal in den sogenannten Service Unterlagen werden die Messungen der Dynamic Range, Minimum Descernible Signal, 3.IMD oder 2.IMD erwähnt.
"Was man nicht weiß, macht man einen nicht heiß", mag für den Verkäufer eine gute Sache sein aber für den Käufer der gerade eine Handvoll Euros auf den Tisch legen soll, ist das absolut nicht akzeptabel. Was ICH weiß macht mich glücklich, sollte die Devise sein.
In dem folgenden Fragebogen sind nur wenige Werte einzutragen. Davon sind ca. 50 auf den Sender und ca. 60 auf den Empfänger bezogen. Sie können diesen Fragebogen beliebig kopieren und verteilen. Diese Werte sind natürlich nicht die einzigen die in Frage kommen um Geräte zu vergleichen, aber sie sind sicherlich einige der wichtigsten Qualitätsmerkmale.
Hersteller __________________________________
Gerätetyp __________________________________
Betriebsarten SSB_____ CW_____ AM_____ FM_____ RTTY_____ DATA_____
SENDER DATEN
Senderleistung Watt PEP Watt Dauer %Duty Cycle TX 2Ton IMD in dB
1,8 MHz _____ _____ _____ _____
3,5 MHz _____ _____ _____ _____
7,0 MHz _____ _____ _____ _____
10,1 MHz _____ _____ _____ _____
14,2 MHz _____ _____ _____ _____
18 MHz _____ _____ _____ _____
24 MHz _____ _____ _____ _____
28 MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
EMPFÄNGER DATEN
MDS 3.IMD 2.IMD Blocking Dynamic Range
1,8 MHz _____ _____ _____ _____
3,5 MHz _____ _____ _____ _____
7,0 MHz _____ _____ _____ _____
10,1 MHz _____ _____ _____ _____
14,2 MHz _____ _____ _____ _____
18 MHz _____ _____ _____ _____
24 MHz _____ _____ _____ _____
28 MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
_______ MHz _____ _____ _____ _____
Achten Sie bitte darauf, daß bei den Empfängerangaben IMMER deutlich angegeben wird ob der Pre Amp (HF-Vorverstärker) ein- oder ausgeschaltet ist und bei 2 Ton Messungen, wie weit die Töne auseinander sind. Die international akzeptierte Norm für kommerzielle Geräte ist einen Tonabstand von 20 kHz. Natürlich ergibt ein Abstand von 50 oder gar 100 kHz einen besseren Meßwert, ohne das der Empfänger besser wird.
Ein Hersteller der in der Lage ist Dutzende von wählbaren ZF-AGC Stufen, sowie Hunderte von Speicherplätzen und VFO’s ohne Ende in sein Gerät einbauen kann, muß auch in der Lage sein, eine einigermaßen "S" Metereichung zu Stande zu bringen.
"S" METER
"S" 1 "S" 6 "S" 9 "S" 9+20 "S" 9+60
14,2 MHz µV _____ _____ _____ _____ _____
bei SSB
"S" 1 "S" 6 "S" 9 "S" 9+20 "S" 9+60
28 MHz µV _____ _____ _____ _____ _____
bei FM
O.K. Ich gebe gern zu das, daß nicht alles ist was man über ein Gerät wissen kann oder wissen will aber es genügt um einen fachgerechten Anfang zu machen. Es ist in jedem Fall viel besser als P/Kn=Q. Es sind nur technische Daten und hat mit Geschmack nichts zu tun. Vielleicht kann man mit einem weniger guten Empfänger leben lernen, um dafür 500 Speicherplätze und 100 VFO’s zu haben.
Last but not least, wo bekommt man fachlich akkurate Informationen? Zuerst bei den Herstellerfirmen. Sie wissen, bevor das Gerät importiert wird, was es für eins ist. Ein Telefonanruf zu der technischen Abteilung (nicht dem Verkauf) wird sich sicherlich lohnen. Sie können auch das Formular zu der Firma hinschicken mit der Bitte, es auszufüllen.
Oder Testberichte aus Fachzeitschriften aber nur dann, wenn das getestete Gerät anonym auf dem offenen Markt gekauft wurde und nicht vom Hersteller "zur Verfügung gestellt" wurde.
Info vom Händler. Lassen Sie ihn das Formular ausfüllen und unterschreiben. Während er damit beschäftigt ist, werfen Sie einen Blick in seine Service Werkstatt.
Sehr zu empfehlen sind die ARRL Laboratory Expanded Test-Result Report’s. ARRL Mitglieder können, kostenlos, den kompletten Report downloaden von www.ARRL.org. ein fertig ausgedrucktes Exemplar kostet $12.50.
Die RSGB Zeitschrift ist eine exzellente Informationsquelle. OM Peter Hart G3SJX ist ein hervorragender Experte und ein aktiver Ham. Bei einem Test von einem recht teuren Gerät stellte er fest, daß z.B. die 3.IMD auf dem 40 Meter Band bei einem Signalabstand von 50 kHz + 10 dBm hatte. Bei 3 kHz Abstand hat er –28 dBm gemessen. (Wie heißt es so schön, nur weil es glänzt muß es nicht Gold sein.)
Für weitere Fragen können Sie jeder Zeit unseren Ingenieur Don, DJ0KM/K9SFN anrufen
Tel.-Nr.:02251-55757